



Die Koffer sind gepackt, die Akkus der Kamera geladen, der Camper-Van aufgetankt. Ziel unserer Reise im August und September sind die Grafschaften Devon und Cornwall im Südwesten Englands. Um mit seinem Fahrzeug nach England zu gelangen, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder fährt man durch den Eurotunnel oder man besteigt eine der zahlreichen Fähren. Wir entscheiden uns für Letzteres. Die Fähre ist einiges günstiger als die Fahrt durch den Tunnel und die Bootsfahrt lässt sich mit einer Verweildauer von rund 1,5 Stunden auf dem Schiff durchaus gut aushalten. Zuerst muss jedoch die Anfahrt nach Nordfrankreich unter die Räder genommen werden. Wir lassen uns Zeit und übernachten unterwegs auf französischem Boden. Das Etappenziel ist schliesslich «Calais», wo wir auf der «Strasse von Dover», welche der engste Teil des Ärmelkanals darstellt, die Überfahrt nach England starten. Wir nehmen eine frühe Fähre am Morgen, damit wir zeitig auf «der Insel» ankommen und so ausgeschlafen schon einige Kilometer auf britischen Strassen zurücklegen können. In Dover werden wir zum Sonnenaufgang gleich von den majestätischen Kreidefelsen begrüsst – der Start könnte nicht besser sein.
In England angekommen, wartet bereits die erste Herausforderung: hier herrscht Linksverkehr. Es braucht doch einige Zeit, bis sich die grauen Zellen an diesen Umstand gewöhnt haben. Die Einfahrt in den Kreisverkehr, die Überholvorgänge auf der Autobahn oder das allgemeine Einspuren oder Abbiegen auf Kreuzungen sind zu Beginn doch gewöhnungsbedürftig. Auch dass wir ein linksgesteuertes Fahrzeug verwenden, macht die Angelegenheit nicht einfacher. Den Dreh haben wir aber schnell raus und auch der Umstand, dass der Beifahrer unterstützend zur allgemeinen Übersicht dient, erleichtert die Situation ungemein.
Unser ausgedehnter Roadtrip führt uns zu Beginn an der Südküste entlang. Unser «Zuhause auf Rädern» gibt uns dabei die maximale Flexibilität. Wollen wir irgendwo länger verweilen, oder wollen wir durchfahren? Kochen wir selber mit Gas, oder machen wir einen Zwischenstopp im Pub für Fish & Chips? All diese Entscheidungen können wir spontan fällen. Wir lassen uns treiben und auch «Campsites» fahren wir oft an, ohne vorher online zu buchen. Diese Art zu reisen und der Umstand, sich auf das Nötigste zu beschränken, lässt den Alltag rasch hinter sich. Wir leben den Moment und tauchen in eine neue Welt ein und geniessen die aufgekommene Abenteuerlust.
Wir besuchen unterwegs pittoreske Hafenstädte, sehen weitläufige Sandstrände und charmante Fischerdörfer. Wir stossen immer weiter in den Südwesten vor und überqueren schliesslich im Süden die Grenze zur Grafschaft «Devon». Die Gegend wir rasch ländlicher, der Verkehr nimmt ab – dafür werden die Strassen enger und unübersichtlicher. Wir quartieren uns unterwegs auf unterschiedlichen Campingplätzen ein. Mal sind wir in modernen Anlagen mit gut ausgerüsteten sanitären Anlagen, mal auf einem grossen Feld eines Bauern, wo der Komfort auf ein Minimum beschränkt ist. Die Mischung machts.
Wir kommen gut voran und treffen bald in «Cornwall» ein. Ein erstes Highlight stellt sicherlich die Gegend rund um «Lizard Point» dar, welcher der südlichste Punkt Englands darstellt. Hier kommt auch die Kamera das erste Mal richtig zum Einsatz. Der spannende Küstenweg zur Bucht namens «Kynance Cove» bringt uns dramatische Wetter- und Lichtstimmungen. Die See ist rau und die Wellen prallen mit gewaltiger Kraft auf die Felsen. Ein tolles Schauspiel. Auch der Sonnenuntergang kann sich, nicht nur aus fotografischer Sicht, sehen lassen. Dank des Windes ändern sich die Stimmung und die Wolken-Szenerie im Minutentakt. In dieser Region gefällt es uns gut und wir bleiben hier zwei Nächte auf einem liebevoll eingerichteten Campingplatz.
In den nächsten Tagen stossen wir, hauptsächlich in Küstennähe, immer weiter westlich vor. Die Strassen sind auch hier, Cornwall-typisch, sehr eng und wir sind froh, nennen wir kein grosses Wohnmobil unser Eigen. Wir passieren diverse Nebenstrassen mit nur knapp 2 Metern Breite, die von hohen grünen Hecken oder von Steinmauern gesäumt sind. Ein Ausweichen bei Gegenverkehr ist quasi unmöglich. Man muss sich also verständigen und hoffen, dass die nächste Ausbuchtung zum Kreuzen nicht allzu weit weg ist. Die Engländer präsentieren sich als generell entspannte und freundliche Autofahrer; man bedankt sich in allen möglichen Situationen per Handzeichen und ein Drängeln oder gestresstes Verhalten erfahren wir nicht.
Da wir bereits den südlichsten Punkt besucht haben, muss natürlich auch der westlichste Punkt Englands abgeklappert werden: «Land’s End». Auch in diesem Umkreis kommen wir in den Genuss von steil abfallenden Klippen, Leuchttürmen, teils starken Windböen, speziellen Steinformationen, charmanten Hafenstädten und schön angelegten Gärten. Wir erleben einige farbenfrohe Sonnenuntergänge, für welche es sich lohnt, die Kamera auszupacken. Das Wetter meint es generell gut mit uns. Die Regenjacke braucht es nur ab und zu. Ansonsten ist es in Cornwall, dank Einfluss des Golfstroms, über das ganze Jahr gesehen mild und auch relativ sonnig. Dies ist doch eher untypisch für Grossbritannien.
Unsere Rundreise setzt sich an der Nordküste fort. Wer gerne surft, kommt hier sicherlich auf seine Kosten. Wir kommen an vielen Stränden und sehr schönen Buchten vorbei und wir lassen uns nicht nur einmal auf einem Campingplatz mit Meersicht nieder. Mittlerweile sind wir am Ende der Hochsaison angekommen und an Platz mangelt es nicht.
Viele Orte haben wir für uns alleine, gerade zu Sonnenuntergang bzw. Randzeiten. Wir geniessen das Erkunden neuer Orte, das Fotografieren und auch mal das süsse Nichtstun. Gemütlich fahren wir immer weiter, bis wir schliesslich wieder in Devon ankommen. Hier führt uns ein Abstecher in den Dartmoor-Nationalpark, wo wir auf Hügellandschaften und gigantische Granitfelsen treffen. Auch schöne Waldgebiete mit uralten Eichen gibt es hier.
Langsam schliesst sich der Kreis und wir kommen wieder an unserem Ursprungspunkt an. Es gilt, die Fähre Richtung Frankreich zu buchen, zu besteigen und sich von England fürs Erste zu verabschieden. Die Reise hat sich gelohnt und wir sind über die Zeit wahrlich in eine andere Welt abgetaucht – auch bin ich mit der fotografischen Ausbeute sehr zufrieden. Die lange Rückreise durch Frankreich lässt und nochmals in Erinnerungen schwelgen und das Ganze Revue passieren. It was a lovely trip!