


Die Bretagne, im äussersten Westen Frankreichs gelegen, ist ein Landstrich, der durch seine wilde Küste und die raue Atlantikküste geprägt ist. Wer hierher reist, spürt sofort die Kraft der Natur. Das Meer ist allgegenwärtig – mal tosend gegen die Felsen schlagend, mal ruhig und spiegelglatt. Vorbei kommt man auch nicht an den zahlreichen Leuchttürmen, die die bretonische Küste säumen; diese gilt für Seefahrer als eine der gefährlichsten der Welt. Mit über 50 Leuchttürmen besitzt die Bretagne zudem die höchste Leuchtturmdichte weltweit.
Diese Bauwerke haben mich schon immer fasziniert – wie sie mit stolzer Brust an den äussersten Zipfeln der Küste stehen und schweigsam Wind, Regen sowie Wellen trotzen. Ihre markante Architektur und die oft spektakuläre Lage machen sie auch fotografisch besonders lohnend. Der Gedanke, einige dieser eindrucksvollen «Lichtgiganten» zu fotografieren, hat mich schon lange begleitet. In diesem September war es nun soweit: Zeit für eine ausgedehnte Entdeckertour entlang der bretonischen Küste.
Die Anfahrt aus der Schweiz ist nicht gerade kurz. Es dauert seine Zeit, bis wir unseren gewünschten Ausgangspunkt an der Nordatlantikküste erreichen. Doch auf den französischen Autobahnen lässt sich die Strecke entspannt zurücklegen: wenig Verkehr, gut ausgebaute Strassen und kurze Zwischenstopps machen die mehrstündige Fahrt überraschend kurzweilig. Für unsere Tour wählen wir die Route entlang der Küste im Gegenuhrzeigersinn, immer mit unserem treuen Camper-Van unterwegs, der uns als rollendes Basislager für unsere Entdeckungen dient.
Obwohl die Region auf der Karte recht überschaubar wirkt, so täuschen doch die Distanzen. Viele Orte, die wir auf dem Schirm haben, liegen abgelegen an den äussersten Punkten der Halbinseln, und die Strassen führen oft kurvig durch kleine Dörfer und hügelige Landschaften. Wir nächtigen meist auf einfachen Campingplätzen in Küstennähe, oft nur wenige Minuten von den Leuchttürmen entfernt. Mit unseren mitgebrachten Fahrrädern sind wir zusätzlich mobil und können so frühmorgens oder spätabends direkt zum Fotospot radeln oder ein nahegelegenes Städtchen oder Fischerdorf erkunden, ohne uns um die Parkplatzsuche kümmern zu müssen.
Die Bretagne zeigt sich wettertechnisch von ihrer launischen Seite. Innerhalb weniger Minuten kann der Himmel von strahlend blau zu dramatisch dunkel wechseln – die Regenjacke gehört daher immer ins Gepäck. Die Regenschauer kündigen sich kaum an und sind meist kurz, aber intensiv. Für den ambitionierten Fotografen ergeben sich dadurch immer wieder spannende Lichtstimmungen. Natürlich lassen wir es uns auch kulinarisch gut gehen. So kommen wir in den Genuss von frischen Baguettes, süssen Crêpes, oder fangfrischen Meeresfrüchten.
Wir folgen den Leuchttürmen entlang der Küste, die uns sowohl als Fotomotive als auch als buchstäbliche Orientierungspunkte auf unserer Reise auf vier Rädern dienen. Manche der Türme lassen sich besuchen und über ihre Wendeltreppen besteigen. Neben den «Wächtern der See» entdecken wir jedoch auch schöne Sandstrände, steinige Küstenabschnitte und markante Felsen, die sich teils spektakulär ins Meer hineinschieben. Zum Baden ist das Wasser mittlerweile zu kalt, doch ein ausgedehntes Fussbad im salzigen Atlantikwasser lassen wir uns dann von Zeit zu Zeit doch nicht nehmen. Oft stehe ich auch barfuss im Sand, geniesse das Spiel der Wellen, wie sie sich über die Felsen schmiegen und halte die Szene in Langzeitbelichtungen mit der Kamera fest. Herrlich! Auch die Beobachtung der Gezeiten ist immer wieder spannend: Ebbe und Flut verändern das Erscheinungsbild der jeweiligen Küstenlandschaft jedes Mal stark.
Die bretonische Küste ähnelt doch in vielen Punkten jener von Südengland, welche wir im letzten Jahr besucht haben. Immer wieder ziehen wir Vergleiche zwischen den beiden Regionen, wobei es keinen klaren Sieger gibt. Beide Landesteile haben ihren eigenen Charme. Die Bretagne bleibt somit ebenfalls in bester Erinnerung.