

Seit einigen Jahren hat mich abseits der Landschafts-, auch die Sportfotografie in ihren Bann gezogen.
Passen diese Bereiche überhaupt zusammen? Wo gibt es möglicherweise sogar Überschneidungen? Wer ist Abnehmer der Fotos und weshalb wurde das «unberechenbare Spiel auf rutschiger Unterlage» zu meiner favorisierten Sportart, wenn es darum geht, actiongeladene Momente mit der Kamera einzufrieren und einzufangen? Auf diese Fragen sollen untenstehende Aussagen eine Antwort geben. Ganz im Stile eines Medienschaffenden habe ich dazu ein Interview mit mir selber geführt.
Wann hast du dein erstes Spiel fotografiert? Und wie kam es dazu?
Vor über 10 Jahren war ich als «normaler» Zuschauer an einem Hockeyspiel der National League A. Bis dahin hatte ich mich nie für diesen Sport interessiert – ich kannte weder die einzelnen Spieler beim Namen noch waren mir die einzelnen Regeln geläufig. Ich erkannte jedoch, wie schnell, actionreich und energiegeladen sich der Spielverlauf gestaltete. Innerhalb weniger Minuten konnte ein Spiel drehen; es war ein stetiges hin und her. Kleine Unachtsamkeiten oder Puckverluste konnten über Sieg oder Niederlage entscheiden. Als ich dem Geschehen folgte, fielen mir auch die Pressefotografen an der Bande auf, welche die Szenen einzufangen versuchten. Schon damals mit dem Foto-Virus infiziert dachte ich mir: «Dies will ich auch einmal versuchen!» Ein paar Tage später stellte ich eine Anfrage beim Medienchef vom EHC Biel, ob ich ein Spiel als Amateur fotografisch begleiten dürfe. Diese Ausnahme wurde mir glücklicherweise gewährt.
Wie lief dieser erste Einsatz ab?
Ich war komplett überfordert. Ich positionierte mich direkt neben der Spielerbande und befand mich somit direkt im Gewühl: mittendrin, statt nur dabei! Ich fand es faszinierend, den Spielern so nahe zu sein. Nur eine Plexiglasscheibe trennte mich vom eigentlichen Spielfeld. Das Spielgeschehen verlieft gefühlt um ein Vielfaches schneller, als von den Zuschauerrängen aus betrachtet. Ich versuchte, die einzelnen Szenen festzuhalten, was mir mehr schlecht als recht gelang. Meistens war ich zu spät; ich rannte dem Spiel quasi hinterher – so als hätte ich schlecht geschliffene Schlittschuhe. Meine damalige Kamera hatte zwar schon eine relativ schnelle Bildrate (um die 8 Bilder pro Sekunde), jedoch war der Fotograf – also ich – das limitierende Glied in dieser Kette.
Ich merkte rasch, dass es von grossem Vorteil wäre, wenn man den jeweiligen Sport etwas kennt und das Spiel zu lesen vermochte. Die Antizipation sollte also ein wichtiger Teil des Ganzen sein. Trotzdem wurde das Feuer entfacht. Auch wenn kaum ein Bild dieses Abends sich als gutes Sportfoto schimpfen würde, verging die Zeit im Stadion wie im Flug! Das Spiel-Resultat des Spiels war für mich nebensächlich – die Freude über mein persönliches Foto-Erlebnis dominierte.
Und? Wie ging es von da an weiter?
Ich hoffte dann auf dem Heimweg, dass es sich bei diesem ersten Einsatz nicht auch gleichzeitig um den Letzten handeln würde. Ich wollte weitere Spiele mit der Kamera besuchen, das Handwerk verstehen und mich weiterentwickeln. Ich war erpicht darauf zu erfahren, was ein gutes Sportfoto ausmacht, damit ich mich über die selber geschossenen Bilder auch freuen konnte. Der EHC Biel öffnete nach meiner erneuten Anfrage seine Tore zum Stadion und liess mich, mit der geschulterten Kamera, wieder hinein. Diese Offenheit ermöglichte es mir, mich langsam zu verbessern – als Gegenzug schickte ich einige Fotos zu. Ich wusste langsam aber stetig immer besser, wie der Hase läuft.
Ich verstand mit der Zeit, wie sich die Spieler bewegten, wo ich mich positionieren musste und welche Momente wichtig waren. So ist beispielsweise ein Torerfolg nicht schon vorbei, wenn der Puck im Netz zappelt. Es sind vielmehr die Emotionen die genau danach passieren, wie der Jubel des Torschützen der das Ärgern des gegnerischen Torwarts über die missglückte Parade. So traten immer öfters Situationen auf, wo ich den Matches nicht mehr hinterher rannte, sondern den richtigen Augenblick direkt vor die Linse bekam. Ganz nach dem Motto: zur richtigen Zeit am richtigen Ort – bereit auf den Auslöser zu drücken.
Bist du nun ein waschechter Eishockeyfan?
Meine Besuche in einem Eishockeystadion – wohlgemerkt ohne Kamera – kann man in den letzten Jahren an einer halben Hand abzählen. Dies geschah jeweils mit der Absicht, ein Spiel als Zuschauer mit Kollegen geniessen zu können. Wirklich Freude bereiteten mir diese Abende nie. Viel lieber wäre es mir gewesen, ich hätte die Action auf dem Eisfeld fotografieren können. So gehört meine Kamera beim Besuch in einer Eishalle also mit ins Gepäck. Auch wenn man bei spannenden Spielen mitfiebert, so ist aus mir nie ein hartgesottener Fan im klassischen Sinne geworden. Dürfte ich nicht mehr Fotos machen, ich wäre wohl selten in der Nähe eines Eisfeldes anzutreffen.
Natürlich ist es für gute Bilder nur förderlich, wenn man die Spieler kennt und die grundsätzlichen Regeln der Sportart. Sonst kann es schnell passieren, dass man wie der Esel am Berg steht. Ich bin da also eher die Ausnahme, wenn ich behaupte, dass ich durch die Fotografie zum Eishockey gekommen bin – bei vielen Fotografen ist es wohl gerade umgekehrt.
Die Frage nach der Ausrüstung: welche Kamera kommt zum Einsatz?
Seit vielen Jahren fotografiere ich mit Kameras der Marke Canon. Die Bedienung ist mir in Fleisch und Blut übergegangen, und so bleibe ich dieser Marke seit jeher treu. Im Zuge der Sportfotografie benutze ich aktuell (2020) eine Canon EOS-1D X Spiegelreflexkamera. Auch wenn die Kamera bereits in die Jahre gekommen ist, so leistet sie nach wie vor zuverlässig ihren Dienst. Ihre schnellen Serienaufnahmen, die rauscharmen Bilder und der treffsichere Autofokus führen (meistens) zu wirklich tollen Ergebnissen. Denkbar ist, dass ich diese in den nächsten 1-2 Jahren durch ein spiegelloses Modell ersetzen werde.
Als Objektiv verwende ich im Stadion meistens das Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM. Für die vorherrschenden Abmessungen des Eisfeldes verfügt diese Linse über den optimalen Brennweiten-Bereich. Ebenso ist es lichtstark und schnell.
Für wen fotografierst du? Wer erhält die Bilder und wofür werden sie gebraucht?
Der Hauptabnehmer meiner Fotos ist der EHC Biel-Bienne (ehcb.ch). Hier hat sich im Laufe der Zeit ein tolle Zusammenarbeit entwickelt. Der Löwenanteil des benutzten Bildmaterials stellen die eigentlichen (Action-)Fotos der Heimspiele dar. Diese finden ihren Weg auf die Website für die Matchberichte oder in die Social Media-Kanäle. Ab und zu bin ich auch an Auswärtsspielen mit von der Partie. Zusätzlich werden regelmässig Aufnahmen für das Marketing und Sponsoring verwendet, z.B. für Plakate, Bedrucken des teaminternen Mannschafts-Cars, Führungen oder für die stadioninterne Gastronomie. Am schönsten ist es immer, wenn Bilder ausgedruckt und aufgehängt werden. Entfaltet ein Bild doch erst dann seine ganze Pracht.
Regelmässig fotografiere ich zusätzlich für ein Hockey-Fanportal und eine kleine Sport-Agentur, welche die Bilder zu vertreiben versucht. So wurden Fotos schon in diversen Medien im In- und Ausland veröffentlicht.
Fotografierst du auch andere Sportarten?
Vereinzelt verschlägt es mich auch in andere Bereiche. So habe ich schon Motorsport-Events (Rallye) oder auch Kampfsport (Muay Thai) fotografiert. Dies waren eher zufällig ergatterte Aufträge bzw. Einsätze, aber nicht minder spannend. Das Eishockey ist aber klar mein Favorit, wenn es ums Festhalten von
Momenten geht. Die Geschwindigkeit und das Unberechenbare suchen seines Gleichen.
Gibt es auch Gemeinsamkeiten zwischen der Landschafts-/Naturfotografie und dem Sport?
Ja, die gibt es tatsächlich! Beide Bereiche erfordern ein hohes Mass an Konzentration und man muss stets ein waches Auge an den Tag legen. Man ist oft im «Hier und Jetzt» und lebt den Augenblick. Viele Momente sind einzigartig und nicht wiederkehrend. Ein Tor, das geschossen wurde, wird nie wieder genau gleich entstehen. Gleichzeitig ist auch jeder Sonnenaufgang immer wieder anders und die Lichtverhältnisse können sich rapide ändern. Geduld brauchen ebenso beide Gebiete, um brauchbare und zufriedenstellende Ergebnisse zu erhalten. Selten gelingt ein wirklich ansehnliches Foto auf Anhieb; es sind da oft mehrere Anläufe von Nöten.
Keine Szene ist gestellt, vieles geschieht spontan und unerwartet. Das ist es, was mich reizt.
Natürlich gilt es zu erwähnen: die Gegensätze dieser beiden Themengebiete der Fotografie könnten grösser nicht sein. Bei der Landschaftsfotografie wird oft mit längeren Verschlusszeiten gearbeitet, im Sport werden Augenblicke eingefroren. Die Natur entschleunigt, der Sport peitscht eher auf.
Wie läuft ein Tag eines Sportfotografen im Detail ab?
Hierzu werde ich einen separaten Blog-Eintrag erfassen, welcher «einen Tag im Leben eines Sportfotografen» ausführlicher beschreibt. Dort erfährst du, wie viele Bilder geschossen werden, wie diese schnellstmöglich verarbeitet werden und wo die Tücken in meinem Workflow liegen. Schau also wieder rein!